dmexco 2012 – (m)eine subjektive Rückschau

 

Ich kenne die Veranstaltung noch seit der Zeit, als Sie noch OMD hieß und auf der “feindlichen” Rheinseite beheimatet war. Von dieser Zeit bis heute hat sich sehr viel verändert und nicht alles zum Guten. Einige Dinge sind mir dieses Jahr sehr präsent geworden und das möchte ich hier mal gerne zur Diskussion stellen:

dmexco Trend: Tod dem Kleinen Aussteller – lang leben die Performance Marketing Könige

Waren früher noch relativ viele kleine Aussteller zu finden, welche interessante und durchaus innovative Ideen auf die Messe trugen, so wird das Bild im Jahr 2012 von den Großen Perfomance Königen geprägt. Fast eine ganze Halle ist randvoll mit Ständen von den Vermarktern. Zum einen finde ich es schade, dass die kleinen, innovativen rausgedrängt werden, zum anderen finde ich es offensichtlich und damit bedenklich, dass die Onlinebranche immer noch von Performance und deren letzten Auslotung geprägt ist.

dmexco Trend: Entsetzliche Seminare – so macht das keinen Spaß

Die Seminare haben zwei große Schwachpunkte. Die Location und die Sprecher. Es ist in den Seminarräumen, welche in der Halle 7 zu finden waren, unerträglich laut. Jedes Tellerklappern draußen ist im Seminarraum zu hören. Die Dauergeräuschkulisse lässt aufmerksames zuhören und entspanntes Vortragen kaum zu. Aber schlimmer sind die Sprecher. Mit vollmundigen Seminartiteln, wie beispielsweise “Mehr Erfolg mit AdWords durch die optimale Strukturierung von Kampagnen” beworben, wird die Veranstaltung dann nach 10 Minuten zur Produktfeatureshow und nötigt zum vorzeitigen gehen.

dmexco Trend: Social ist nur ein Wort

Es waren sehr wenig Anbieter aus dem Social Media Umfeld zu finden. Auf einer Leitmesse für die digitale Industrie sollte man erwarten können, dass der Trend zu Social Media auch Anbieter und Angebote auf die Messe locken würde. Leider ist davon nicht viel zu finden gewesen. Dafür prangt bei fast jedem Aussteller “Social Media”, “Social Media Kampagnen” oder “Social Media Marketing”  am Stand. Auf Nachfrage, was denn in diesem Segment angeboten wird war eine Antwort die häufigste: “… wir haben ein Spezialistennetzwerk und wenn unsere Kunden Social Media Anwendungen wollen, dann können wir diese entwickeln usw.” – keine Aussagen zu Contentstrategien, Zielgruppenstrategien oder ähnliches. Aktuell ist Social nur ein Wort.

dmexco Trend: Congress Hall – so bitte nicht

Ich besuchte 8 Vorträge und Podiumsdiskussionen in der Congress Hall. Das gebotene Niveau empfand ich als erschreckend flach. Wenig Tiefgang, sehr viele allgemeine Platitüden, auch von CEOs weltweit operierender Unternehmen. Lerneffekt, Motivationseffekt oder Inspiration lag bei Null. Erschreckend, dass sich die Leader im Digital Business so präsentieren. Hinzu kommt, dass bei den einigen Diskussionen, egal zu welchem Thema gestartet, der Bogen doch wieder zum dominierenden Performance Marketing gespannt wurde. War die Congress Hall vor einigen Jahr noch Inspirationsquell, diente sie dieses Jahr hauptsächlich zum Ausruhen, denn Sitzgelegenheiten sind rar auf der Messe.

Und sonst?

Die digitale Leitmesse wartet mit einem WLan auf, welches durch das Wort schlechter Witz noch zu sehr gelobt werden würde. Es ist schlichtweg eine Lächerlichkeit, dass es heutzutage auf der digitalen Leitmesse immer noch nicht möglich ist, via WLAN zu kommunizieren, sich zu verabreden etc. Viele Treffen kamen so leider nicht zu Stande. Die Preise für Essen und Trinken sind grotesk. Für eine kleine Flasche stilles Wasser, 0,3l, doch 3,30 Euro zu verlangen, möchte ich nicht kommentieren.

Fazit:

Ob ich nächstes Jahr wieder hingehe, weiß ich nicht. Es wird immer langweiliger auf der dmexco weil es keine Innovationen gibt und die Perfomance Anbieter alles mit Ihrer Größe erdrücken. Aber da ich trotz WLan Behinderung viele Leute treffen konnte, was ich als größtes Plus betrachte, überwinde ich mich vielleicht doch wieder. Und vielleicht ist Mobile und Social bis dahin stärker und die Ausstellervielfalt wieder interessanter.

 

13 Gedanken zu „dmexco 2012 – (m)eine subjektive Rückschau“

  1. Das liegt an den Preisen + an der Politik der Messeleitung. Ich hatte versucht als “kleiner” Socialmedia Spezialist an einen Teil-Stand zu kommen. Keine Chance. Mindestgröße für unglaubliche Euronen pro QM.

    UNd so bleiben dann die Großen und Etablierten unter sich.

  2. Ich bin auch unentschlossen, ob ich mir die dmexco nächstes Jahr nochmal antue. Wenn man wenigstens vernünftig auf der Messe kommunizieren könnte, würden sich auch persönliche Treffen und Gespräche mehren. So ist es bislang praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man nicht alles bereits vor der Messe haarklein geplant und verabredet hat.
    Gehen wir lieber wieder auf die re:publica. Da geht (bzw. ging) das WLAN zwar auch nicht, aber wenigstens wurde für ein ausreichend funktionierendes Mobilfunknetz gesorgt. Außerdem ist das inhaltliche Niveau der Veranstaltung in großen Teilen deutlich besser, und es gibt deutlich mehr Raum für Austausch.
    Bye-bye, Köln. Hello, Berlin!

    (So, und ich glaube, das schreibe ich jetzt auch nochmal genau so ins Blog. ;o)

  3. Danke für den ausführlichen Artikel! Wir haben uns die Messe also zu recht gespart.
    Social hat genau diese Branche noch nicht verstanden! Wie soll Sie es auch können, wo Sie doch laut einer aktuellen Studie von Social Bakers, gerade mal 5 % Response auf Social Anfragen liefert.

    Gruss Marcus

  4. Schön das Du mich gefunden hast und wir ein bischen plaudern konnten.
    Tom: Such dir einen Anbieter aus zu dem Du Kontakt hast. Und vielleicht nicht so pompös ist. Wenn das Thema passt wäre auch toll. Gehe auf die zu ob Du als Mitaussteller mit drauf kannst. Unser Nachbarstand war quasi durch 3 geteilt. Buch Verlag, Herausgeber Magazin und SEO Agentur an einem Stand.

  5. Ich fands sehr flach. Werbeflächenverkauf ohne Ende, wenig Know-How, sehr angestrengt businessmäßige Atmosphäre. Im Vergleich zur alten OMD sind die Hallen zu laut und eng. Bei den Sprechern habe ich öfter ein Fragezeichen auf der Stirn gehabt, was die überhaupt operational machen. So macht weder der Messebesuch Spaß, noch Online Marketing. Die Verkehrssituation war gewohnt schlecht, das Essen….naja. Dagegen war Düsseldorf immer himmlisch: schwupps, vom Zubringer auf den Riesenparkplatz oder ins Parkhaus, bessere Luft in den Hallen, leiser, richtig Know-How. Wenn ich dieses Jahr nicht mal wieder terminlich hin gemusst hätte, wäre ich lieber Angeln gegangen…..

  6. Unsere Entscheidung dieses Jahr nicht aus zu stellen als kleiner social media agentur (damals ShopShare) war eigentlich falsch. Wahrscheinlich hätten die Leute unseren Stand überfüllt da wir als einziger reellen kontent zu bieten gehabt hätten. Aufgrund der Gesamtkostenrechnung letztes Jahr(ca. 30k) mussten wir aber dieses Jahr mal andere Mittel probieren um für das gleiche Geld mehr Ertrag zu bekommen. Das ist uns auch gelungen.

    Nächstes Jahr werden wir aber wieder da sein, aber dann eben mit einem gesponserten Stand, weil selbst kann man die Beträge einfach nicht aufbringen.

  7. Ich habe mir die dmexco als eine Art re:publica für Marketing und Werbung vorgestellt. Ich habe mich dieses Jahr deshalb für die dmexco beworben und nicht einmal eine Absage bekommen. Offensichtlich sind nur CEOs oder Sponsoring Vorträge gewünscht.

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